01.06.2020 – Ausstellung feierlich eröffnet

Am 28.05.2020 fand in Naumburg/Saale, Sachsen-Anhalt, die feierliche Eröffnung der Ausstellung „Der Roerich-Pakt. Geschichte und Gegenwart“ statt, die von der Deutschen Roerich-Gesellschaft e.V. unter Mithilfe von dem Internationalen Roerich-Zentrum (Moskau) und mit Unterstützung von der Stadt Naumburg organisiert wurde.

Leider durfte die Eröffnung nicht wie gewohnt unter Beteiligung beliebig vieler Interessierter eröffnet werden, und so war die Teilnehmerzahl beschränkt.

Dieses Ausstellungsprojekt wird in Deutschland schon zum 5.Mal gezeigt. Vorher fand es in Berlin (2013), Bonn (2015), Essen (2015) und in Bochum (2018) statt.

Die Ausstellung 2020 in Naumburg ist dem 85-jährigen Jubiläum des Roerich-Paktes, einem der ersten internationalen Abkommen zum Schutz von Kulturgütern, gewidmet worden. Der Roerich-Pakt wurde am 15.04.1935 in Washington von 21 Staaten unterzeichnet und ist anerkannte Grundlage der Vereinbarungen der Haager Konvention von 1954 „Schutz von kulturellen Gütern während der bewaffneten Konflikten“.

Die große weltumfassende Bedeutung des Roerich-Paktes ist unbestritten. Genau so unbestritten ist auch die Tatsache, dass die außergewöhnliche Persönlichkeit Nikolaj Roerichs heutzutage wahrlich ein Bindeglied zwischen den Kulturen der Vergangenheit, Gegenwart und der Zukunft herstellt. Mit dem Ziel, die herausragende Antikriegsinitiative des großen Künstlers, Wissenschaftlers, Philosophen und Friedenbotschafters Roerich und seinen Aufruf „Frieden durch Kultur“ in Deutschland gemeinverständlich zu machen, ist die Ausstellung „Der Roerich-Pakt. Geschichte und Gegenwart“ organisiert worden.

Am Anfang war die Eröffnung der Ausstellung für den 15.04.2020, also auf den historischen Tag orientiert vorgesehen, doch die besonderen Umstände dieses „Corona-Jahres“ haben den ursprünglichen Plan geändert, jedoch zum Glück nicht zerstört. Dass die Eröffnung am 28.05.2020 – Allem zum Trotz – stattgefunden hat, ist sozusagen ein kleines Wunder. Hat, vielleicht, da die schöne Uta von Naumburg positiv gewirkt?

Auf jeden Fall ist die Stadt Naumburg nicht zufälligerweise als Ort für die Ausstellung 2020 ausgewählt worden. Diese relativ kleine (ca.30.000 Bewohner), aber schöne und gemütliche Stadt an der Saale mit 1.000-jähriger Geschichte ist mit dem Namen Roerich wie kein anderer Ort in Deutschland verbunden. Denn gerade hier, in Naumburg, hat Nikolaj Roerich das weibliche Vorbild für sein Gemälde „Hüterin der Welt. Die den Stein Tragende“ (1933) gefunden. Es handelt sich um das Standbild der sagenhaften mittelalterlichen Uta (13. Jh.) aus der Naumburger Kathedrale. Der Maler brachte die Gestalt Utas aus dem Saaletal in den fernen Himalaya. Da hat er Uta als eine sakrale Figur des Ur-Weiblichen, d.h. als „Hüterin der Welt“, dargestellt. Damit schenkte zweifelsohne Nikolaj Roerich dem Uta-Standbild ein „zweites Leben“.

Übergabe des Friedensbanners an die HausherrenDen Namen Roerich, sowie auch sein Gemälde „Hüterin der Welt“ wurde lange Zeit in Naumburg kaum bekannt. Ungefähr seit 2010 erweckte doch „Uta im Himalaya“, so nennt man jetzt in Naumburg dieses Gemälde, das Interesse der Kunsthistoriker, die sich mit der Problematik des Naumburger Domes und seiner Standbilder beschäftigen.

Im Jahre 2018 wurde der Naumburger Dom in das UNESCO-Welterbe aufgenommen. Mit dem Titel erhalten der Dom und die berühmte Uta von Naumburg – „Hüterin der Welt“ – insgesamt eine weitaus große und international ausgerichtete Aufmerksamkeit.

Die Stadt Naumburg kennt man auch als die Hauptstadt des Burgenlandes. Tatsächlich umringen die Stadt und das Saaletal zahlreiche Burgen und Schlösser. Viele von ihnen sind auf Anregung der hiesigen Bevölkerung gerettet worden. Solche privaten Initiativgruppen haben oftmals die Zerstörung der regionalen Kulturobjekten verhindert.

So geschah es z.B. im Fall des „Turbinenhauses“ (aus dem Jahr 1907), eines historischen Elektrizitätswerkes für die Naumburger Straßenbahn. Das Gebäude des ehemaligen Turbinenhauses sollte abgerissen werden, doch die Ärzte-Ehepaar Michela und Thomas Burkhardt haben dieses Objekt der Vergangenheit von der Stadt erworben, und mit einer Gruppe Gleichgesinnter haben sie dann nach der ausführlichen Restaurierung des alten Gebäudes die ehemalige „Elektrofabrik“ in das „Kunstwerk Turbinenhaus“ umgewandelt. Damit ist die Stadt Naumburg seit April 2017 auf noch um ein Kulturzentrum reicher geworden.

     

Gerade in dieser „Kulturfabrik“ findet das Ausstellungsprojekt 2020 „Der Roerich-Pakt. Geschichte und Gegenwart“ statt. Am 28.05. wurde, wie gesagt, die Ausstellung offiziell eröffnet. Die feierlichen Grußansprachen hielten Thomas Burkhardt, Eigentümer des „Turbinenhauses“, Bernward Küper, Oberbürgermeister der Stadt Naumburg, Dr. Oleg Serebrian, Botschafter der Republik Moldau und Halina Schneider, die Vorsitzende der Deutschen Roerich-Gesellschaft e.V.

Die Ausstellung „Roerich-Pakt. Geschichte und Gegenwart“ ist zweifelsohne ein großes Ereignis für das Kulturleben der Stadt Naumburg.

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