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Expeditionen

Die Zentralasiatische Expedition (1923 - 1928)

Die Zentralasiatische Expedition Nicholas Roerichs nimmt einen besonderen Platz unter den Expeditionen und Reisen des 19. und 20. Jahrhunderts ein.

Reiseroute der ExpeditionNicholas Roerich wollte bereits seit fr├╝her Zeit nach Indien, in ein Land, das f├╝r ihn nicht nur als "Land der Wunder", sondern auch als Gebiet h├Âchstinteressanter historischer Forschungen in seinen Bann zog. Ende 1923 kommen Nicholas Roerich zusammen mit seiner Frau Helena und seinen beiden S├Âhnen, Jurij und Svetoslav, in Indien an. Von hier, vom Vorgebirge des Himalayas aus, begann auch ihr legend├Ąrer Weg. "Au├čer k├╝nstlerischen Aufgaben wollten wir uns mit unserer Expedition ein Bild von dem Zustand der Denkm├Ąler des Altert├╝mlichen Zentralasiens machen, den gegenw├Ąrtigen Zustand der Religion und ihre Gebr├Ąuche beobachten sowie Spuren der Gro├čen V├Âlkerwanderung zu finden. Letztere Aufgabe ist mir seit langem nah gewesen", schreibt Nicholas Roerich im Expeditionstagebuch "Das Herz Asiens".

Die Reiseroute der Zentralasiatischen Expedition f├╝hrte durch Sikkim, Indien, das Chinesische Xinjiang, das Sowjetische Mittelasien, Altaj, die Mongolei und das ├ľstliche Tibet. Nicholas Roerich hat zusammen mit seiner Frau Helena Roerich und dem ├Ąltesten Sohn Jurij die gesamte Expeditionsstrecke zur├╝ckgelegt.

 

 

 

 

 

 

Expedition im AltajIn f├╝nf Jahre (1923 bis 1928) legte die Expedition eine Strecke von 25.000 Kilometer zur├╝ck, ├╝berquerte 35 Hochgebirgsp├Ąsse, durchquerte Steppen und W├╝sten.  Die Expedition verlangte seinen Teilnehmern gro├če Tapferkeit und unfassbare Geduld ab. Aber nichts hat den Willen der Reisenden gebrochen, weder Schneest├╝rme, noch die H├Âhe oder sengende W├╝stensonne. Die Expedition wurde mehrfach von bewaffneten Banditen ├╝berfallen oder einfach von lokalen starrk├Âpfigen Herrschern verhaftet.

 

 

Nicholas Roerich w├Ąhrend der ExpeditionHelena RoerichAn der Expedition war eine Frau beteiligt, die den ganzen beschwerlichen Weg gleichberechtigt mit den M├Ąnnern ging. "Auf dem Pferd beritt Helena gemeinsam mit uns das ganze Asien, fror und hungerte in Tibet, war aber stets ein Vorbild an Lebensmut f├╝r die gesamte Karawane" (…) "Niemand hat sie je niedergeschlagen oder verzweifelt gesehen, obwohl es dazu gen├╝gend Anl├Ąsse unterschiedlichster Art gab". (N. Roerich. Aus dem literarischen Nachlass. S. 133.)

 

Selbst unter schwierigsten Bedingungen wurden die wissenschaftlichen Arbeiten nicht f├╝r einen Tag unterbrochen. Zu den Aufgaben der Expedition geh├Ârte das Kennenlernen der Kulturgeschichte der V├Âlker, die in den weiten Gebieten Asiens lebten, "die Schaffung eines malerischen Panoramas der L├Ąnder und V├Âlker des Inneren Asiens, die Durchf├╝hrung arch├Ąologischer Untersuchungen, sowie das Sammeln ethnographischer und sprachwissenschaftlicher Materialien, die die altert├╝mlichen Kulturen der Region charakterisieren". (Jurij Roerich. Auf den Pfaden Mittelasiens)

 

Jurij Roerich Jurij Roerich erhielt eine einzigartige orientalistische Vorbereitung an ber├╝hmten Universit├Ąten Europas und Amerikas, beherrschte viele asiatische Sprachen und was nicht zuletzt f├╝r eine erfolgreiche Expedition sorgte und eine vielschichtige Erforschung auf dem Gebiet der Ostsprachen und der kulturellen Traditionen vieler V├Âlker Zentralasiens erlaubte. W├Ąhrend dieser Expedition machte Jurij Roerich viele wissenschaftliche Entdeckungen. Seine Verdienste beim Studium Zentral- und S├╝dasiens sowie sein Beitrag zur Weltwissenschaft errangen internationale Anerkennung.

 

Expeditionslager - Chantang 1927

 

 

Es wurde die n├Ąhere Umgebung untersucht, Zeichnungen angefertigt, Pl├Ąne abgenommen sowie mineralogische und botanische Sammlungen erg├Ąnzt. W├Ąhrend der Winterpause wurden seltenste Materialien ├╝ber die Nomaden von Hor-pa zusammengetragen; die einen uralten Dialekt der tibetischen Sprache sprachen. In den Kl├Âstern trug die Expedition umfangreiches arch├Ąologisches Material zusammen, es wurden Materialien des tibetischen vorbuddhistischen Schamanismus entdeckt und vielb├Ąndige Handschriften des Kandschur und Tandschur von unsch├Ątzbarem Wert gefunden. Die Expedition entdeckte viele Denkm├Ąler des vergangenen nomadischen Tibets. Helena Roerich fertigte viele Aufzeichnungen ├╝ber die Philosophie und die Ethik des Ostens an. Nicholas Roerich stellte eine gro├če Sammlung buddhistischer Banner zusammen und drang tief in den bildlichen Aufbau und die farbenreiche Symbolik der buddhistischen Malerei ein.

ChantangRoerich ist es "als erstem russischen Menschen gelungen, einen jahrhundertealten Traum seiner landsm├Ąnnischen Forscher zu erf├╝llen - etwas zu schaffen, was keinem Przhevalskij, keinem Roborovskij, keinem Potanin und keinem Kozlov gelang - die vollst├Ąndige Durchquerung von Tibetischem Hochland, Transhimalaya und Himalaya von Nord nach S├╝d bis nach Indien". (Ju.K. Jefremow. N.K. Roerich und die Geografie)Banner der Zukunft. 1925

 

 

Die Reiseroute der Expedition zog sich entlang der L├Ąnder uralter Kulturen Asiens, von denen jedes einzelne ein riesiges Forschungsfeld darstellte. Aber Roerich suchte das, was viele Kulturen in Zeit und Raum verband. Er suchte das Gemeinsame, nicht jedoch das Einzelne, er suchte das Verbindende, nicht jedoch den Unterschied.

Schwert von Gesser. 1932

 

Kloster Lamayuru. 1925Auf der gesamten Reisestrecke schuf Roerich, der Maler und Denker, rund 500 Bildern und stellte auf ihnen kulturelle und historische Augenblicke dar, die eine schlanke Kette von Ereignissen, Orten, Personen, Denkm├Ąler, Themen wenig bekannter Legenden und Erz├Ąhlungen formen. Er ├Âffnet in ihnen eine dem Westen bis dahin kaum bekannte Welt Asiens. Die Bilder Roerichs erg├Ąnzten nicht nur die zusammengetragenen Expeditionsmaterialien, sondern waren ein selbst├Ąndiger Teil dieses Materials. Der Maler gab in den Bildern wissenschaftliche Informationen, der Gelehrte verf├╝gte ├╝ber die k├╝nstlerische Einsicht und die Intuition - Maler und Gelehrter waren in einer Person vereint.

 

Nach dem Abschluss der Zentralasiatischen Expedition im Jahre 1928 gr├╝ndete die Roerich-Familie im indischen Kullutal das Institut f├╝r Himalaya-Forschung "Urusvati". Botschaft aus Schambala. 1946Es war ein Institut neuer Art, in dem sich, so sein Direktor, der bekannte Orientalist Jurij Roerich, "die wissenschaftlichen Forschungen des Westens auf die Kultur des Ostens st├╝tzen". An der Arbeit des Institutes nahmen die gr├Â├čten Gelehrten Indiens, Amerikas, Frankreichs und Russlands teil. Das Institut hat die Grundlagen f├╝r die Synthese des Wissens gelegt, hat den Weg zur Entwicklung von Errungenschaften wie der Relativit├Ątstheorie, der Quantenmechanik, der Bioenergetik, des komplexen Herangehens an die L├Âsung wissenschaftlicher Fragen bereitet.

 

Kloster Tikse

Ludmila Shaposhnikova, bekannte wissenschaftliche Indologin und Erforscher des sch├Âpferischen Nachlasses Nicholas Roerichs, schrieb in ihrer Trilogie "Die Gro├če Reise" ├╝ber die Nachverfolgung der Etappen der Expedition: "Und, der Reisestrecke weiter folgend, wurde ich immer mehr ├╝berzeugt davon, dass die Expedition die h├Âchste Erf├╝llung im Leben von Nicholas Konstantinovich Roerich war. Sein Leben bis dahin war eine Vorbereitung auf sie, sein Leben nach ihr war die Aufarbeitung ihrer Ergebnisse".

 

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