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Roerich in Deutschland

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Tragische Zerstörung eines der grĂ¶ĂŸten europĂ€ischen nichtstaatlichen Museen im Herzen Moskaus

Am 17. Mai 2017, anlĂ€sslich einer Fragestunde in der russischen Duma, Ă€ußerte der Minister fĂŒr Kultur der Russischen Föderation, Vladimir Medinskij, die Hoffnung, dass "die kriminelle Geschichte der Einbehaltung der Kunstsammlung des Sowjetischen Roerich-Fonds" in KĂŒrze zu seinem Ende kommt. Weiter erklĂ€rte er, dass der Wert der Sammlung "nach Meinung internationaler Experten mehr als 15 Mrd. Rubel betrĂ€gt". 15 Mrd. Rubel, das sind rund 240 Millionen Euro…

In seinem Auftritt versprach er den Abgeordneten, dass der Nachlass der Roerich-Familie in die schĂŒtzenden HĂ€nde der Russischen Föderation zurĂŒckkehren werde. "Glauben Sie mir, die GemĂ€lde der Roerichs, ihr Werk und ihr Nachlass mĂŒssen nicht lĂ€nger leiden,  sondern sie kehren endlich in den Schoß des Staates zurĂŒck, dahin, wohin die Roerichs ihn auch verfĂŒgt haben," sagte Medinskij.
Von was sprach Minister Medinskij? Der Nachlass der Roerichs war doch bereits in Russland, nÀmlich im nichtstaatlichen Nikolaj-Roerich-Museum der internationalen nichtstaatlichen Gesellschaft "Internationales Roerich-Zentrum".

1Nikolaj Konstantinovitsch Roerich (1874 – 1947) war ein begnadeter russischer KĂŒnstler, Gelehrter, Philosophie und GesellschaftstrĂ€ger von Weltformat. Er war Initiator des ersten internationalen Abkommens ĂŒber den Schutz von kĂŒnstlerischen und wissenschaftlichen Einrichtungen sowie historischer DenkmĂ€ler. Der "Roerich-Pakt" wurde am 15. April 1935 im Weißen Haus zu Washington unterzeichnet und ist bis heute gĂŒltiges Dokument fĂŒr den Schutz des Kulturerbes der gesamten Menschheit. Dieses Abkommen diente der UNESCO im Jahre 1954 als Grundlage fĂŒr die "Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten".

2Svetoslav Roerich (1904 – 1993), jĂŒngster Sohn von Nikolaj Roerich und StaatsbĂŒrger Indiens, ĂŒbergab im Jahre 1990 seinen Teil des Familienerbes an Russland (damals noch UdSSR). Dies jedoch nur unter zwei Bedingungen:  Erstens ist der Nachlass ausschließlich im nichtstaatlichen Nikolaj-Roerich-Museum unterzubringen, und zweitens mĂŒssen im Zentrum von Moskau fĂŒr dieses Museum die GebĂ€ude des Lopuchin-Anwesens, einem Architekturdenkmal des 17. – 19. Jahrhunderts in NĂ€he des Kremls, zur VerfĂŒgung gestellt werden. Svetoslav Roerich war der Überzeugung, dass das russische Volk seine Werte besser bewahren könne als Kulturbeamte.

3Bei Übergabe des Nachlasses erhielt Svetoslav Roerich eine Garantie des Staates und von PrĂ€sident Gorbatschow persönlich, dass in Moskau ein solches nichtstaatliches Nikolaj-Roerich-Museum als struktureller Bestandteil einer internationalen nichtstaatlichen Organisation entstehen wird.


4Ludmila Shaposhnikova (1926 – 2015), eine bekannte Indologin, wurde zu seiner TreuhĂ€nderin mit allen Befugnissen. Seit Beginn der 1990-er Jahre fĂŒhrte sie als Direktorin des Museums umfangreiche Arbeiten zur Restaurierung des historischen Lopuchin-Anwesens und zum Aufbaus eines wunderbaren Museums durch, das bis vor Kurzem noch von Tausenden Besuchern aus aller Welt besucht wurde.  Die Kosten fĂŒr die Restaurierung der GebĂ€ude des Lopuchin-Anwesens wĂŒrden heute mehrere Dutzend Millionen Euro verschlingen. Finanziert und umgesetzt wurde das Projekt mit Hilfe von Stiftern und Spenden Tausender BĂŒrger.

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Das Roerich-Zentrum und sein Museum mit Sitz in Moskau ist als Kulturorganisation das grĂ¶ĂŸte Zentrum zur 7Erforschung und Verbreitung des kĂŒnstlerischen, wissenschaftlichen und philosophischen Nachlasses der Roerich-Familie. Mit Hilfe einer breiten Öffentlichkeit in Russland und der ganzen Welt ist es dem Roerich-Zentrum gelungen, das von Svetoslav Roerich ĂŒbergebene Erbe der Roerichs zu bewahren und zu mehren. Besonders hervorzuheben ist die friedensstiftende Arbeit des Zentrums zur FortfĂŒhrung von Roerichs Ideen zur Bewahrung der kulturellen Errungenschaften der Menschheit aus dem Roerich-Pakt. Das Internationale Ausstellungsprojekt "Der Roerich-Pakt. Geschichte und Gegenwart" wurde seit 2012 in mehr als 150 StĂ€dten Russland sowie in 17 LĂ€ndern der Welt gezeigt. Die Ausstellungen wurden unter Schirmherrschaft der UNESCO und in Kooperation mit vielen internationalen Organisationen durchgefĂŒhrt. In Russland wurde dieses Projekt als grĂ¶ĂŸte nichtstaatliche Initiative im Bereich Kulturschutz anerkannt. Hochachtung wurde dem Ausstellungsprojekt durch UNO-GeneralsekretĂ€r Ban Ki-Moon und Irina Bokova, Generaldirektorin der UNESCO, gezollt.
 
Seit seiner GrĂŒndung hat das Internationale Roerich-Zentrum aktiv mit dem russischen Ministerium fĂŒr Kultur und anderen Staatsorganen zusammengearbeitet. Ohne eine derartige enge Kooperation wĂ€re es ja auch undenkbar, Kulturprogramme, Projekte, Wanderausstellungen und Konferenzen durchzufĂŒhren, sowie verlegerisch tĂ€tig zu sein.

Allerdings ist bereits aus der Geschichte bekannt, dass einzelne Persönlichkeiten, insbesondere Machthaber, einen wesentlichen Einfluss auf den Lauf von Ereignissen haben können. Und so geschah es auch, als im Mai 2012 ein neuer Minister fĂŒr Kultur ernannt wurde: Vladimir Medinskij. Mit seiner aktiven Beteiligung begann eine großangelegte Kampagne gegen das nichtstaatliche Nikolaj-Roerich-Museum.

Bereits frĂŒher unternahm das Staatliche Museum fĂŒr Orientalistik (auch bekannt als Staatliches Museum des Ostens) Versuche nachzuweisen, dass das Internationale Roerich-Zentrum keinerlei Rechte am von Svetoslav Roerich ĂŒbergebenen Nachlass der Roerich-Familie habe. Jedoch bestĂ€tigten russische Gerichte zweimal, im Jahr 2002 und 2011, dass sich der Nachlass rechtmĂ€ĂŸig im nichtstaatlichen Museum befindet.
In den letzten Jahren Ă€nderte die FĂŒhrung des Kulturministeriums unter Ausnutzung seiner administrativen Ressourcen "den Lauf der Geschichte". Und so wird seit 2013 ein offensichtlich geplanter Maßnahmenkatalog umgesetzt mit dem Ziel, das nichtstaatliche Nikolaj-Roerich-Museum des Internationalen Roerich-Zentrums zu liquidieren.

In seinem Schreiben vom 11.11.2013 an den russischen PrĂ€sidenten Putin gab Kulturminister Medinskij unrichtige Informationen ĂŒber das Internationale Roerich-Zentrum und eine aus fast 300 Bildern bestehende Sammlung Svetoslav Roerichs, die sich im Staatlichen Museum des Ostens befindet. Die Leitung des Internationalen Roerich-Zentrums erklĂ€rte wiederholt, dass besagte Sammlung von Svetoslav Roerich an das Roerich-Zentrum ĂŒbergeben wurde, was in rechtsgĂŒltigen Dokumenten festgelegt wurde. Daher war das rechtmĂ€ĂŸige Bestreben des Roerich-Zentrums zum Erhalt der Sammlung keinesfalls die Absicht zur Aneignung von Staatseigentum, wie dies der Kulturminister in seinem Schreiben darstellte.

Die Notiz Putins auf Medinskijs Schreiben "Ergreifen Sie die zum Schutz der Staatsinteressen notwendigen Maßnahmen" spielte ihre Rolle beim Moskauer Amtsgericht als Anweisung, wessen Interessen zu schĂŒtzen seien. Und so gelang es dem Kulturministerium im Jahre 2014, den Gerichtsbeschluss von 2011 zu kassieren, in welchem dem Internationalen Roerich-Zentrum der Nachlass auf Grundlage des VermĂ€chtnisses von Svetoslav Roerich zugesprochen wurde.

Die Bestrebungen des Kulturministeriums werden vom Internationalen Roerich-Zentrum in einer ErklĂ€rung als "Bestrebung zur erneuten Verletzung des dokumentierten Willens von Svetoslav Roerich bezĂŒglich des an Russland ĂŒbergebenen Nachlasses" verstanden.

Alexander Stetsenko, VizeprĂ€sident des Internationalen Roerich-Zentrums erklĂ€rte: "Jedwede Handlungen in dieser Richtung, egal wer sie durchfĂŒhrt, fĂŒhrt zu nichts Gutem. In solch einem Krieg gibt es keinen Sieger, sondern nur Verlierer. Und diese sind in erster Linie das russische Volk und seine kulturellen Errungenschaften. Es besteht die reale Gefahr, dass im Falle der Aberkennung des Rechts auf diesen Teil des Roerich-Erbes, dieser das gleiche Schicksal erleidet wie der im Jahre 1957 von Jurij Roerich an Russland ĂŒbergebene erste Teil des Familienerbes, der nach seinem unerwarteten Tod im Jahr 1960 in seiner Wohnung verblieb. Dieser Teil ging unwiederbringlich verloren. Eine Wiederholung dieser Tragödie dĂŒrfen wir nicht zulassen."
 
Nach dem Tod von Ludmila Shaposhnikova, der Vertrauten von Svetoslav Roerich, stieg der Druck von Seiten der Staatsbediensteten. Ende 2015 wurden die GebĂ€ude des Lopuchin-Anwesens kurzfristig aus dem Eigentum der Stadt Moskau in Staatseigentum ĂŒbergeben. Anschließend wurde die operative Leitung des Anwesens an das Staatliche Museum des Ostens ĂŒbertragen. Hierbei verblieben das Internationale Roerich-Zentrum und sein nichtstaatliches Museum in diesen GebĂ€uden zur bis 2024 vertraglich vereinbarten kostenfreien Miete.

Von Ende 2015 bis 2017 wurden das Internationale Roerich-Zentrum und sein Museum in mehr als 20 außerplanmĂ€ĂŸigen Kontrollen durch die verschiedensten staatlichen Instanzen ĂŒberprĂŒft. Diese ÜberprĂŒfungen wurden unter teilweise absurden Beschuldigungen angeordnet, die bis hin zum Verdacht auf Extremismus fĂŒhrten. VerstĂ¶ĂŸe hinsichtlich der Aufbewahrung des Nachlasses oder der TĂ€tigkeiten des Internationalen Roerich-Zentrums und seines Museums konnten von niemandem vermeldet werden. Ganz im Gegenteil: Das hohe Niveau der musealen Arbeit und der Bewahrung der Exponate wurde sogar bescheinigt.

Wurden im Zusammenhang mit den Handlungen des Kulturministeriums im Jahr 2015 "nur" zwei Gerichtsprozesse gegen das Internationale Roerich-Zentrum gefĂŒhrt, so war das Roerich-Zentrum im Jahr 2016 bereits an 13 (!) Gerichtsprozessen beteiligt. Die FĂŒhrung des Kulturministeriums und des Staatlichen Museums des Ostens starteten eine offene Medienkampagne zur Zerstörung des guten Rufes des Internationalen Roerich-Zentrums. Die zentralen Programme des russischen Fernsehens gaben der FĂŒhrung des Ministeriums eine Plattform zur Verbreitung nicht wahrheitsgemĂ€ĂŸer Angaben zum Schaden des Internationalen Roerich-Zentrums. Die Organisation hatte nur geringe Möglichkeiten, sich zu verteidigen. Praktisch alle ZugĂ€nge zu den zentralen Medien waren verwehrt. Eine enorme Anzahl von Briefen und Eingaben an die verschiedensten staatlichen Einrichtungen, geschrieben von BĂŒrgern und öffentlichen Organisationen Russlands und anderer LĂ€nder fanden kein Echo, da sie zur Beantwortung weitergeleitet wurden – an das Ministerium fĂŒr Kultur. Und von dort wurde förmlich geantwortet und auf ein Gerichtsurteil von 2014 verwiesen, welches der nichtstaatlichen Organisation Roerich-Zentrum das Recht auf den Nachlass der Roerich-Familie und die Rechtsnachfolge des sowjetischen Roerich-Fonds abspricht.

NatĂŒrlich waren die offen im nichtstaatlichen Nikolaj-Roerich-Museum gezeigte wertvolle Bildersammlung, die Familienarchive und die wunderschön restaurierten GebĂ€ude eines Architekturdenkmals im Zentrum von Moskau, weniger als 1 Kilometer vom Kreml entfernt, von grĂ¶ĂŸtem Interesse. "Das Kulturministerium hatte keine rechtliche Handhabe fĂŒr die Zerschlagung des nichtstaatlichen Museums," so Alexander Stetsenko, "und musste daher wohl den Weg grober Methoden, des Betrugs und der Überschreitung dienstlicher Kompetenzen gehen."
 
8Und so wurden am 7. MĂ€rz, am Vorabend des Internationalen Weltfrauentages, und dem darauffolgenden Tag im nichtstaatlichen Nikolaj-Roerich-Museum Hausdurchsuchungen unter Beteiligung von polizeilichen SpezialeinsatzkrĂ€ften durchgefĂŒhrt. Die ReprĂ€sentanten von Kulturministerium und Staatlichem Museum des Ostens beteiligten sich aktiv am gewaltsamen Eindringen in das Zentrum und Museum und der Beschlagnahme von Eigentum. Im Laufe dieses "Sondereinsatzes" wurden die Mitarbeiter des Roerich-Zentrums durchsucht, verhört und fĂŒr einen Tag von der Außenwelt isoliert. Die VideoĂŒberwachung wurde deaktiviert, die Alarmanlagen wurden ausgeschaltet. Ungestört konnten so GemĂ€lde der Roerichs und weitere KunstgegenstĂ€nde "beschlagnahmt" werden, die dem Museum in den Jahren 1990 bis 2013 gestiftet wurden. Es wurden mehr als 200 KunstgegenstĂ€nde beschlagnahmt und in das Staatliche Museum des Ostens verbracht. Der Prozess der "Beschlagnahme" selbst erfolgt unter Missachtung jeglicher Rechtsnormen: ohne die Anwesenheit von Museumsmitarbeitern und ohne fĂŒr den Transport von GemĂ€lden geeigneter Verpackungsmittel wurden die GemĂ€lde in fĂŒr derartige Transport nicht geeignete Fahrzeuge verladen. Mit den KunstgegenstĂ€nden wurden sĂ€mtliche Schenkungsdokumente und deren Kopie beschlagnahmt. Das Museum wurde faktisch beraubt.

Zum Hintergrund: Die Aktion wurde durchgefĂŒhrt im Zuge von Ermittlungen gegen die GeschĂ€ftsfĂŒhrung der Master-Bank, der im Jahr 2013 die Lizenz entzogen wurde. Einer der MĂ€zene des Nikolaj-Roerich-Museums war Boris Bulotschnik, einer der MitgrĂŒnder der Master-Bank. Bulotschnik unterstĂŒtzte viele Kultureinrichtungen und Fonds in Russland. Mit eigenen Finanzmitteln (nichts anderes ist bewiesen) erwarb Bulotschnik GemĂ€lde der Roerichs auf Auktionen im Ausland und brachte sie so, als Schenkung an ein nichtstaatliches Museum in Moskau, nach Russland zurĂŒck. Er leistete einen großen Beitrag zur Restaurierung der GebĂ€ude des Lopuchin-Anwesens und unterstĂŒtzte viele Kulturprogramme des Zentrums und Museums.

9Die russische Öffentlichkeit sieht die Handlungen der Vertreter des Kulturministeriums und des Museums des Ostens am 7. Und 8. MĂ€rz als WillkĂŒr, die die Staatsmacht in aller Öffentlichkeit diskreditiert. Weiterhin wird die Anwendung von Gewalt gegen das Museum als schwere SchĂ€digung des Rufs Russlands empfunden.

Das Museum und seine Mitarbeiter unterliegen keiner Strafverfolgung, sie haben keinerlei Bezug zu irgendwelchen finanziellen Machenschaften. Zu keiner Zeit gab es die Verweigerung der Zusammenarbeit mit Rechtsschutzorganen oder PrĂŒfbehörden. Man hĂ€tte derartige brutale und grobe Handlungen vermeiden können.

Alle Eingaben von BĂŒrgern und Museumsmitarbeitern wurden von Kontrollorganen und der StaatsfĂŒhrung mit Stille beantwortet. Warum sollte man sich auch aufregen? Die Schaffung eines staatlichen Roerich-Museums in dem grandiosen Anwesen war bereits beschlossene Sache. Dieser Beschluss wurde kurzfristig im Februar 2016 im Kulturministerium gefasst. Bleibt nur noch die Aufgabe, die GebĂ€ude von einer bekannten nichtstaatlichen Organisation zu sĂ€ubern, in deren HĂ€nden das wertvolle Roerich-Erbe ist.

Am 20. MĂ€rz 2017 entschied das Moskauer Schiedsgericht, nach mehrmonatigen Verhandlungen, einer Klage des Staatlichen Museums des Ostens stattzugeben und den Vertrag ĂŒber die kostenfreie Vermietung des Lopuchin-Anwesens an das Internationale Roerich-Zentrum aufzulösen und eine RĂ€umung zuzulassen. SĂ€mtliche Nachweise und Dokumente, die das Roerich-Zentrum zu seiner Verteidigung eingereicht hatte, wurden nicht berĂŒcksichtigt. Die Beauftragung eines unabhĂ€ngigen Gutachtens zum Zustand der vom nichtstaatlichen Museum genutzten GebĂ€ude wurde abgelehnt.

Nach allgemeiner Rechtspraxis tritt ein Gerichtsurteil erst in Kraft, nachdem eine vom Gericht festgelegte Widerspruchsfrist abgelaufen ist. Ein Gerichtsentscheid wird erst dann rechtsgĂŒltig, wenn ein Berufungsverfahren abgeschlossen ist. Im vorliegenden Fall endete die Berufungsfrist am 7. Mai, eingereicht wurde die Berufung durch das Roerich-Zentrum am 5. Mai 2017.

Bis zum Berufungsurteil wird noch einige Zeit vergehen. Aber die hatte man wohl im Staatlichen Museum des Ostens nicht. Ohne Warten auf die RechtsgĂŒltigkeit des Gerichtsentscheides versuchte die Museumsleitung eine gewaltsame Aneignung der GebĂ€ude. Am Freitag, den 28. April 2017, erfolgte um 21:30 Uhr in Moskau die Besitznahme des Lopuchin-Anwesens. Die Besetzung des GebĂ€udes erfolgte durch eine bewaffnete Personengruppe unter Leitung von Leuten in Polizeiuniform. Dokumente, die die RechtmĂ€ĂŸigkeit ihres Tuns rechtfertigten, wurden nicht gezeigt. Leiter der gesamten Aktion war der Generaldirektor des Museums des Ostens, Alexander Sedov.

Dieses Geschehnis hat sich keine nichtstaatliche Organisation ausgedacht. Zeuge dieses Überfalls auf das nichtstaatliche Museum war Ivan Sasurskij, Mitglied des Rates des PrĂ€sidenten der Russischen Föderation fĂŒr Menschenrechte. Auch er wurde nach dem Konzert des bekannten bulgarischen Pianisten Atanas Kurtev festgehalten. Die Ereignisse im Roerich-Zentrum zur Besitznahme des Lopuchin-Anwesens erregte auch die Aufmerksamkeit des PrĂ€sidentenberaters fĂŒr Menschenrechte, Mikhail Fedotov. Fedotov und ein weiteres Mitglied des Rates fĂŒr Menschenrechte, Andrej Babushkin, kamen zum Internationalen Roerich-Zentrum, wurden jedoch erst nach einer Stunde von der Security des Staatlichen Museums des Ostens auf das GelĂ€nde des Lopuchin-Anwesens gelassen.

Offensichtlich passte die Aufmerksamkeit des Beraters des PrĂ€sidenten der Russischen Föderation nicht in die PlĂ€ne der FĂŒhrung des Museums des Ostens. Und so wurde am 29. April eine Untersuchungsgruppe eingeschaltet, die sich mit der AufklĂ€rung des Falles "Master-Bank" befasst. Gegen 19 Uhr fuhren Autos auf das GelĂ€nde des Anwesens. In ihnen saßen neben den Ermittlern auch EinsatzkrĂ€fte der OMON und Mitarbeiter des Staatlichen Museums des Ostens. Es begann eine Durchsuchung ohne Vorlage der fĂŒr derartige Aktionen notwendigen Dokumente. Da man kurz vor den Maifeiertagen stand, hatte man sich offensichtlich in Eile vorbereitet. Der Leitung des Internationalen Roerich-Zentrums wurde die Anwesenheit wĂ€hrend der Durchsuchung verwehrt. Die Beschlagnahme von Buchhaltungsdokumenten und Zeichnungen der Roerichs wurde in Abwesenheit der zustĂ€ndigen Buchhalter und verantwortlichen Archivare des Roerich-Nachlasses durchgefĂŒhrt. Die Untersuchungsgruppe nahm der Museumsleitung die SchlĂŒssel vom Depot und den SĂ€len des Museums weg und ĂŒbergab sie der Leitung des Museums des Ostens. Im Protokoll wurde vermerkt, dass das Lopuchin-Anwesen zur verantwortlichen Verwahrung an den Direktor des Staatlichen Museums des Ostens, Herrn Sedov, mitsamt dem kompletten Eigentum des Internationalen Roerich-Zentrums und den darin befindlichen persönlichen GegenstĂ€nde der Mitarbeiter ĂŒbergeben wird. Hierbei wurden weder ein Übergabeprotokoll noch eine Aufstellung des ĂŒbertragenen Eigentums angefertigt.
All dies zeigt das wahre Ziel der "Untersuchungsmaßnahme": GewĂ€hr des Zugriffs auf den Nachlass der Roerichs durch die Beamten des Staatlichen Museums des Ostens, der in keinem Strafverfahren auftauchen darf.

Und so erfolgte, unter dem Deckmantel von Ermittlungen zum Bankrott der Master-Bank, der Überfall auf das Lopuchin-Anwesen und den dortigen Roerich-Nachlass, der dem Internationalen Roerich-Zentrum gehört.

10Der Zeitpunkt der bevorstehenden Maifeiertage wurde offensichtlich nicht zufĂ€llig ausgewĂ€hlt. Immerhin war es so mehr als 10 Tage unmöglich, staatliche Organe auf die gesetzeswidrige Handlung aufmerksam machen zu können. WĂ€hrend dieser Zeit, in der Regel abends oder nachts, hatten die verantwortlichen Personen des Staatlichen Museum  des Ostens, der Berater des Ministers fĂŒr Kultur der Russischen Föderation sowie ein bei allen Aktionen anwesender Vertreter aus den USA uneingeschrĂ€nkten Zugang zu den GebĂ€uden des Museums, zum Archiv und den DienstrĂ€umen des Internationalen Roerich-Zentrums. Nach Zeugenaussagen von Mitarbeitern des Museums, die rund um die Uhr am Lopuchin-Anwesen wachen, wurde vom Territorium des Anwesens Eigentum der Organisation in Fahrzeugen weggebracht, Personen trugen in Taschen und RucksĂ€cken Sachen heraus. Es steht zu befĂŒrchten, dass es zu unkontrolliertem Verschwinden von Archivdokumenten und zum Austausch von Originalen der GemĂ€lde kommt. Mitarbeiter des Roerich-Museums haben bereits öffentlich erklĂ€rt: "Wir sind Ă€ußerst beunruhigt und besorgt, dass im nichtstaatlichen Nikolaj-Roerich-Museum ohne jegliche Rechtsgrundlagen und unter völliger Duldung durch die Rechtsschutzorgane unbefugte Personen aktiv sind, die nach eigenem GutdĂŒnken nicht nur ĂŒber die musealen Kostbarkeiten und Archive unserer Organisation verfĂŒgen, sondern auch ĂŒber die persönlichen GegenstĂ€nde der Museumsmitarbeiter. Wir schließen nicht aus, dass es in KĂŒrze zu Verlusten, Bilder- und UrkundenfĂ€lschung kommen kann."

Welches russische Museum wĂŒrde derart illegale Aktionen wagen, hĂ€tte es nicht die UnterstĂŒtzung ĂŒbergeordneter staatlicher Strukturen? Das Staatliche Museum des Ostens ist dem Ministerium fĂŒr Kultur direkt unterstellt…

In der Nacht des 1. Mai, gegen 3 Uhr frĂŒh, holten Mitarbeiter des Staatlichen Museums des Ostens das "Banner des Friedens" ein. Dies ist das Markierungszeichen des Roerich-Paktes, des ersten internationalen Kulturschutzabkommens. Soviel zur WĂŒrdigung der humanistischen Ideen Nikolaj Roerichs, der der Welt den Ausweg aus zahllosen Kriegen und bewaffneten Konflikten aufzeigte – mit "Frieden durch Kultur".

Es ist unzulĂ€ssig, vor der Entscheidung des Berufungsgerichts den Mietvertrag fĂŒr ungĂŒltig zu erklĂ€ren und das Internationale Roerich-Zentrum auf die Straße zu setzen. Trotzdem wird den Mitarbeitern und der Leitung des Museums der Zutritt zum Museum verwehrt, ihnen wird die Möglichkeit zur Arbeit verwehrt. Dem Roerich-Zentrum wurde das gesamte Eigentum ohne Gerichtsentscheid weggenommen, den Mitarbeitern ihre persönlichen GegenstĂ€nde. Die Handlungen an den Tagen des Überfalls hat die Öffentlichkeit auf Video festgehalten, es gibt Beweise und Augenzeugen.
 
Seit der gewaltsamen Einnahme des Lopuchin-Anwesens lassen die Sicherheitsleute des Staatlichen Museums des Ostens selbst die Techniker des Roerich-Zentrums, die fĂŒr die Unversehrtheit der Exponate in den SĂ€len des Museums und die GewĂ€hrleistung der Sicherheit im Manuskriptarchiv und der Privatbibliothek der Roerichs zustĂ€ndig sind, nicht in die RĂ€umlichkeiten. Mittlerweile gibt es bereits Hinweise auf eine erhöhte Feuchtigkeit und Pilzbildung in den Museumslagern aufgrund der FahrlĂ€ssigkeit derjenigen, die das GebĂ€ude an sich gebracht haben. Auf der Website des Internationalen Roerich-Zentrums sind die gesamte Chronologie der Ereignisse sowie die bislang bekannten Fakten ĂŒber Stromausfall und Ausfall der Klimatisierung im Manuskriptarchiv der Roerich-Familie dokumentiert.

Es gibt also allen Anlass zur Sorge, dass dem Kulturnachlass der Roerichs Schaden zugefĂŒgt wird, einem Nachlass nicht nur nationaler, sondern weltweiter Bedeutung. Und wie auf Bestellung informieren die staatlichen Medien die Bevölkerung darĂŒber, dass die GebĂ€ude auf Weisung des Gerichts fĂŒr die Errichtung des Staatlichen Roerich-Museums an das Staatliche Museum des Ostens ĂŒbergeben wurden. Mit keinem Wort werden die krassen Verletzungen der VerfĂŒgung Svetoslav Roerichs als Stifter des Nachlasses oder die Gesetzesverletzungen durch die Staatsdiener erwĂ€hnt.

UnabhÀngige Juristen haben bereits jetzt schon vielfÀltige Verletzungen der russischen Gesetze festgestellt:
-Überschreitung dienstlicher Kompetenzen durch die Leitung des Staatlichen Museums des Ostens und die Beamten des Ministeriums fĂŒr Kultur der Russischen Föderation;

-Überschreitung der dienstlichen Kompetenzen der Untersuchungsbehörde. Die Übertragung zur verantwortlichen Verwahrung gilt in einer Strafangelegenheit nur fĂŒr Beweismittel. Weder das Lopuchin-Anwesen, noch die von Svetoslav Roerich an das Roerich-Zentrum ĂŒbergebene Kollektion und das Archiv der Roerich-Familie, und schon gar nicht die persönlichen GegenstĂ€nde der Mitarbeiter des Museums und das Eigentum der Organisation sind Beweismittel im Untersuchungsfall der  Master-Bank;

-Das Staatliche Museum des Ostens ist kein rechtmĂ€ĂŸiger Besitzer, dem die Untersuchungsbehörde das Anwesen samt Eigentum hĂ€tte in verantwortliche Verwahrung ĂŒbergeben dĂŒrfen. RechtmĂ€ĂŸiger Besitzer ist nach wie vor das Internationale Roerich-Zentrum.

Nach Worten der Leitung des Internationalen Roerich-Zentrums ist die Besitznahme des nichtstaatlichen Museums in Moskau der Höhepunkt eines jahrelangen juristischen Dramas. Seine GrĂŒnde liegen in dem fortwĂ€hrenden Unwillen des Ministeriums fĂŒr Kultur der Russischen Föderation, den rechtmĂ€ĂŸigen Willen des Erben und die Zusagen Michail Gorbatschows an Svetoslav Roerich ĂŒber die Bedingungen zur Übergabe des Nachlasses der Roerich-Familie an die UdSSR und nachfolgend an die Russische Föderation zu erfĂŒllen.

Tausendfache Eingaben von BĂŒrgern an die verschiedenen Staatsorgane wie Staatsanwaltschaft, Innenministerium, PrĂ€sidialamt, Fraktionsvorsitzende der parlamentarischen Partien und dergleichen blieben entweder unbeantwortet oder wurden wie vorgedruckt beantwortet.

11Die Einzigen, die sich zum Schutz des Museums erhoben und ihre Position bekundeten, waren Tausende rechtschaffener BĂŒrger eines modernen Russlands sowie Menschen aus dem nahen und fernen Ausland. Und so kamen Immerhin mehr als 240.000 Unterschriften zum Schutz des Museums in einer Petition. Aber nicht ein einziges staatliches Organ möchte sich einmischen und ein Museum schĂŒtzen. Recht, Ehre und WĂŒrde – alles in den Boden gestampft!

Es bleibt zu hoffen, dass der Aufruf aus dem Statement des Internationalen Roerich-Zentrums zur gewaltsamen Besitznahme der GebĂ€ude und des Eigentums der Organisation am 28. – 29. April 2017 nicht im Rest der Welt ungehört bleibt:

"Das Internationale Roerich-Zentrum ruft die internationale Gesellschaft, die UNO, die UNESCO und alle, denen das großartige kulturelle Erbe der Roerichs, (…) nicht gleichgĂŒltig ist, dazu auf, eine internationale nichtstaatliche Kommission zu bilden, die diese strafbare Handlung aufklĂ€rt, die verletzten staatlichen Verpflichtungen gegenĂŒber Svetoslav Roerich sowie die Rechte des Internationalen Roerich-Zentrums auf das ihm von Svetoslav Roerich ĂŒbergebene Erbe wiederherstellt."

Zur Information ĂŒber den aktuellen Stand der Ereignisse gehen Sie bitte auf die englischsprachige Website des Roerich-Zentrums sowie unsere Facebook-Seite..

 

 

 

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